Die Sollenser Glocke

(LB) In armselig bitterer Zeit verließen die Bauern von Sollensen ihre Höfe. Ihre Kirche konnten sie nicht mit in die neue Heimat nehmen, aber die wertvolle Glocke, die sie so oft zusammengerufen hatte, luden sie auf einen Wagen, vor den sie einen blinden Schimmel spannten. Dort, wohin dieser die Glocke zog, wollten sie sich ansiedeln. Das Pferd, das dem Bauerntreck voranzog, nahm den Weg nach Woltershausen. Hier bauten sie also ihre Höfe neu auf, und ihre Glocke hängten sie neben die dortige, damit das vereinte Geläut die vergrößerte Gemeinde in Freude und Trauer eine. Die Leute aus Harbarnsen aber erzählten, dass die Sollenser bei ihrem Fortzug ihre Glocke in einem Sumpf in der Woltershäuser Feldmark versenkten. Hier hat sie dann der „Sween“ ausgegraben, als seine Schweine die Glockenkrone freiwühlten, und dafür gesorgt, dass die Glocke in der nahen Kirche zu Woltershausen aufgehängt wurde.

(Monika und Gerhard Krause: Hoedeken. Sagen und Erzählungen aus dem Leinebergland, Hannover 1988, S.24f.)